Jugendkirche Soest

Irgendwo im Nirgendwo – zum LARP bei der Jugendkirche Soest

„Der Drache kommt gleich und bringt seine Eier ins Museum!“ Zwei aufgeregte Kinder laufen Richtung Wald. Scheinbar kein Grund zur Aufregung, die Hobbitfrau setzt sich entspannt in die Oktobersonne und trinkt ihren Tee. Wenige Minuten später hört man Stimmen und Geklapper aus dem Wald. Das Drachenwesen ist tatsächlich auf dem Weg ins Museum, begleitet von einigen tapferen Abendteur:innen. Ihre Kleidung passt nicht in die heutige Zeit. Eine grüne Tunika, ein braunes Gambeson, Ledergürtel und Stoffhose. Einige tragen Rüstung und Schwerter, Schilder zur Verteidigung. Der Grund für das Klappern. Auch die alte Mühle, in der das Museum untergebracht ist, wirkt wie aus der Zeit gefallen. Ausgestattet mit Alchemiekammer, Taverne und unheimlichem Keller, von dem noch nicht ganz klar ist, was sich wohl darin befindet.

Was ein bisschen wirkt wie eine Zeitreise ins Mittelalter im Stil von „Herr der Ringe“, ist eine Veranstaltung der Jugendkirche Soest. LARP (Live Action Role Playing) heißt das, was dort vom 9. bis zum 12. Oktober stattfindet. Bei dieser Art des Rollenspiels verkörpern die Teilnehmenden einen Charakter und tauchen als dieser in das Spielgeschehen ein. Sie kleiden und verhalten sich wie diese fiktive Person und agieren auf dieser Basis mit anderen Charakteren. Manche von ihnen haben sogar magische Fähigkeiten, andere können besonders gut mit Schwert oder Bogen umgehen. Der Fantasie sind hier zwischen Drachen und Zauberern kaum Grenzen gesetzt.

Warum gerade die Jugendkirche Soest ein solches LARP veranstaltet, erklärt Diakon Fabian Wecker: „Wir wollen dieses Hobby einer breiten Masse an Menschen vorstellen und generationsübergreifend einen Begegnungsraum schaffen. LARP bietet die Möglichkeit, sich selbst in einem geschützten Rahmen auszuprobieren.“ Und tatsächlich kann man über das Wochenende hinweg beobachten, wie so manch Teilnehmende sich immer mehr trauen, mutiger werden und für sich selbst einstehen. Die Räuber, die die Mühle besetzt haben, werden verjagt, der unheimliche Keller erkundet und das Böse fürs Erste vertrieben. Für all das müssen die Spieler:innen eng zusammenarbeiten, sich gegenseitig helfen und unterstützen. „Sich den Rücken freihalten“ hat hier im Kampf nicht nur eine metaphorische Bedeutung.

Mit sehr viel Liebe zum Detail hat das Team der Jugendkirche es geschafft, die Epscheider Mühle in Hagen in eine kleine Fantasiewelt aus dem Mittelalter zu verwandeln. Auf der Wiese neben dem Bachlauf stehen Zelte, ein Lagerfeuer brennt und ein Schmied arbeitet am offenen Feuer. In der Alchemiekammer sind zahlreiche kuriose Zutaten ausgebreitet, die Edelstahlküche unter großen Tüchern geschickt versteckt. Sogar die riesige Spinne, die im Keller nebenan haust, ist selbst gebastelt und mit Kunstblut gefüllt. Nur für den Fall, dass die Spieler:innen sie angreifen. Die Geister werden von Nebel begleitet, während aus der Taverne Gitarrenmusik und Gesang ertönt. Der Zauber dieser Welt scheint fast greifbar.

Um es allen Teilnehmenden, so gut es geht, zu ermöglichen komplett in diese Fantasiewelt abzutauchen, wurde nicht nur die Handlung von langer Hand geplant. Auch auf die Gewandung der Spieler:innen wurde ein besonderes Augenmerk gelegt. Alle sollen die Möglichkeit haben, die Rolle zu spielen, die sie sich vorstellen. Dafür wurde die Jugendkirche Soest vom Mittelalterausstatter Mytholon unterstützt, der extra für dieses Event eine Rabattaktion eingerichtet hat. Dass diese Kooperation ein voller Erfolg ist, erkennt man nicht nur dadurch, dass im Spiel optisch kaum von Neuling und altem Hase unterschieden werden kann. Mit leuchtenden Augen durften sich die Teilnehmenden am ersten Tag die passende Gewandung zu ihrem Charakter aussuchen. Ob buntes Kleid, furchterregende Rüstung oder Magierrobe, alle Wünsche können in der passenden Größe erfüllt werden. Manche ergänzen das durch die entsprechende Schaumstoffwaffe, die beim Schwertkampf miteinander direkt ausprobiert wird. Die Freude darüber, dass Mytholon die Jugendkirche Soest auch in Zukunft unterstützen möchte, ist dementsprechend groß.

Als Jugendkirche ist es den Veranstaltern ein großes Anliegen, auf Glaubensinhalte auch in einer LARP-Freizeit nicht zu verzichten. Deshalb gibt es 2-mal täglich auf freiwilliger Basis eine Auszeit, in der sich einem Thema aus der Glaubens-Perspektive genähert wird. Dies geschieht auf sehr niederschwellige Weise, so dass jede Person mitmachen kann, egal ob gläubig oder nicht. „Wir waren erstaunt, wie sehr dieses Angebot genutzt wurde. Wir wussten, es ist ein Risiko, das wir eingehen wollen.“, so der Hauptverantwortliche Fabian Wecker. An jedem dieser freiwilligen Angebote nahmen 15 oder mehr Personen teil.

Wie viel Arbeit hinter diesem Ausflug ins Mittelalter steckt, lässt sich an vielen Stellen nur erahnen. Was aber die ganze Zeit über merkbar ist, ist die Liebe, die alle Beteiligten in dieses Projekt gesteckt haben. Über das Wochenende ist so eine ganz besondere Gemeinschaft entstanden. Durch das gelebte Miteinander konnten die Teilnehmenden nicht nur andere, sondern auch sich selbst besser kennenlernen. Bei Gesprächen am Feuer oder in der Taverne sind neue Freundschaften entstanden und alte vertieft worden. Wie bewegend dieses LARP war, wird am Abreisetag klar. Wieder in Alltagskleidung wird gemeinsam aufgeräumt, die Dekoration eingesammelt und Zelte abgebaut. Der Abschied voneinander dauert. Den Weg nach Hause treten die meisten mit einem großen Lächeln auf dem Gesicht an. Aus Vorfreude auf das nächste Mal.

Du hast Lust, LARP selbst einmal zu erleben? Im April 2022 veranstalten wir eine weitere Veranstaltung. Hier kannst du dich anmelden.

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